Dem Tschaikowski, diesem Schurken haben wir’s gegeben!

Tschaikowski war Russe. Das ist schlimm und sehr böse von ihm. Wer seine Musik mochte oder mag, ist ein Unhold und hat bereits die Vorstufe zum Kriegsverbrecher erklommen. Bisher ist auch nicht bekannt, daß sich Tschaikowski von Angriffskrieg Putins auf die Ukraine distanziert hat.

Daher ist es nur folgerichtig und allzu verständlich, wenn das Philharmonische Orchester Cardiff1 in Wales die Aufführung seiner Schurkenmusik absagte. Das hat er eben davon, dieser kriegstreiberische Russenkomponist. Hätte er sich wenigstens von Putins Angriffskrieg distanziert, hätte man vielleicht nochmal Gnade vor Recht ergehen lassen können. Aber so hat er halt Pech … kann er mal schön sehen wo die Einnahmen aus Aufnahmen seiner Stücke bleiben! Ha.

Wenn man gegen Rußland und Russen keilt oder alles was aus Versehen die kyrillische Schrift2 benutzt, liegt man aktuell in den Augen der meisten Bewohner des Wertewestens nie falsch. Dirigenten, Sänger, Künstler, Sportler, Katzen – wer sich nicht bei drei von Putin distanziert hat, ist weg vom Fenster.

Aber Vorsicht! Daß im griechischen Parlament bei Selenskyjs Rede zwei angeblich griechischstämmige Kämpfer des berüchtigten ukrainischen Naziregiments Asow — einer davon vermummt (!) — auf Russisch zu Wort kamen, ist etwas anderes. Berichtet wird darüber ohnehin nur in griechischen Medien oder in Südamerika; sicher nicht in deutschen Nachrichten. So gesehen läuft der gemeine Wertewestler kaum Gefahr in Verlegenheit zu kommen hier zwischen gesundem Russenhaß und vorsichtigerer Ukrainesolidarität abwägen zu müssen. Denn nur weil diese griechischstämmigen Ukrainer aus Mariupol Russisch sprechen, sind die keine Putinversteher oder gar -befürworter. Oh nein! Die können noch differenzieren. Nazis sind die übrigens auch keinesfalls, denn Selenskyj hat jüdische Vorfahren (q.e.d.). Die zackige Wolfsangel, die SS-Runen, die schwarze Sonne und die Hakenkreuze werden vom Regiment Asow auch rein allegorisch als Symbole für den ukrainischen Freiheitskampf eingesetzt. Einfach mal den großmäuligen ukrainischen Botschafter in Deutschland fragen, der weiß euch einzunorden euch das einzuordnen.

Außerdem, hat ja nicht jeder so viel Zeit erst einmal Ukrainisch zu lernen, wie der ehemalige Präsidentendarsteller und aktuelle Präsident Selenskyj während seines Wahlkampfs vor der aktuellen Amtszeit 😉 … oder dessen Vorgänger, der schon hin und wieder Schwierigkeiten hatte sich an einzelne ukrainische Worte zu erinnern. Kann schon einmal passieren, wenn man sehr gestreßt ist. Das bedeutet sicher nicht, daß Poroschenko — wie ich das vor über zwanzig Jahren im heutigen Dnipro in der Ukraine erlebte — im Alltag ansonsten Russisch spricht/sprach. Oligarchenehrenwort!

Daß der Russe wieder Feind ist und vor der sprichwörtlichen Tür steht — diesmal ohne
“Milchschnjiähtte” — gibt dem Tag Struktur und erleichtert die Orientierung im Alltag. Beim Kauf von Mehl oder Speiseöl hingegen, hilft es einem nicht. Jedoch wünsche ich allen meinen Mitbürgern, die ihren Ölteig im Widerschein der Atompilze genießen, gutes Gelingen und Wohlschmecken! Und dran denken: reichlich Jodsalz verwenden.

// Oliver

Sachdienlicher Hinweis: die obigen Wikipedia-Verweise mögen allein der weiteren eigenen Recherche dienen. Wikipedia-Artikel über politisch relevante Themen sind seit Jahren nicht mehr enzyklopädisch-neutral, sofern sie es je waren. Aber wie wir unlängst aus einem Poroschenko-Interview (zusammenfassende Überschrift des ZDF: “Trauen Sie Putin nicht”) erfuhren, sind die alten Sünden ohnehin angesichts der russischen Invasion vergessen. Schwamm drüber. Oligarchenehrenwort!

  1. Cardiff Philharmonic Orchestra []
  2. … nehmt das Bulgaren und Mongolen! []
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