“Kanzlermaterial”

Von den drei perspektivischen Kanzlerkandidaten der CDU — ich lasse mal gekonnt Spahn weg, der seinen Hut ja noch nicht in den Ring geworfen hat und sich auch aufgrund seiner aktuellen Politik eher disqualifiziert1 — kommt Armin Laschet zumeist am sympathischsten rüber.

Friedrich Merz, ein Marktradikaler wie er im Buche steht, den die MPS erfinden müßte wenn es ihn noch nicht gäbe, steht vor allem für “die wenigen da oben” gegen “die vielen da unten”. Daß man ihm eine seine besseren Ideen noch immer vorhält, darf als Treppenwitz der Geschichte gelten.

Norbert Röttgen ist Transatlantiker durch und durch und geriert sich auch in Interviews unverblümt als solcher. Im Zweifel wird der also durch die entsprechenden — natürlich unabhängigen2 — Medien den Vorschub bekommen.

Tja, und dann eben Laschet. Laschet hat einen gewissen Hang zum Nepotismus schon durchblicken lassen, aber wer von denen da oben nicht schon einmal Vorteilnahme geübt hat, möge den ersten Stein werfen 😉

Jedenfalls sieht die CDU und sehen die Medien diesen knubbeligen Politzwerg und aktuellen Ministerpräsidenten allen Ernstes als Kanzlermaterial. Klar, Röttgen und Merz werden versuchen das Rad der Zeit zurückzudrehen und die behauptete Sozialdemokratisierung der CDU in der “Ära Merkel” versuchen ungeschehen zu machen3. Aber ist dies das einzige Argument für Laschet? Die Tatsache, daß mit Röttgen und Merz weniger “Mutti-Politik” auf der Tagesordnung stünde?

Wir sollten nicht vergessen daß Laschet einer derjenigen war, die sich am Anfang der Pandemie klar gegen das Tragen von “Alltagsmasken” ausgesprochen haben. Seine Begründung damals war allen Ernstes, daß diese nachgewiesenermaßen den Träger ohnehin nicht schützten.

Dumm nur, daß jeder Unterstufenschüler und viele Grundschüler Herrn Laschet sicherlich erklären könnten, daß — sofern die “Alltagsmasken” nachgewiesenermaßen den Ausstoß von Erregermaterial (vulgo: Coronaviren) vermindern, was nachgewiesen ist — diese Masken sehr wohl auch den Träger schützen, sofern alle, oder zumindest möglichst viele, eine solche Maske tragen. Das fällt jetzt natürlich unter Solidarität, nicht gerade eine Kernkompetenz oder ein Kernthema der CDU. Frau Merkel hat davon zumindest in jungen Jahren definitiv schon mal als FDJlerin4 gehört.

Daß solche grundlegenden Zusammenhänge einem gewählten Ministerpräsidenten und “Kanzlermaterial” abgehen, ruft gewisse Fragen und Zweifel an seiner Tauglichkeit bei mir hervor und veranschaulicht mal wieder sehr schön, daß in der Politik weniger Fachkompetenz als vielmehr langer Atem und gut Kungeln Erfolg versprechen.

// Oliver

  1. … obwohl … in den oberen Etagen ist das was einen Kandidaten für das schnöde Wahlvolk disqualifiziert ja häufig ein qualifizierendes Merkmal []
  2. Nicht von Geld, aber von der Regierung unabhängig, nehme ich mal an … []
  3. Leider vergessend, daß eher weniger die CDU sozialdemokratisiert wurde, sondern vielmehr die SPD sich seit einigen Jahrzehnten thematisch eher Richtung CDU oder überhaupt nicht bewegt. Schön hierbei auch die Tatsache, daß die beiden Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidat Olaf Scholz in ihrer politischen Ausrichtung verschiedender kaum sein könnten. []
  4. … und dementsprechend vermutlich davor Pionierin []
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