Kleinigkeiten für Eltern

Kind kommt bald, was nun? Hier ein paar Hinweise und Kniffe die ich als Vater zum Teil mühsam lernen mußte. Nicht bei allen mußte ich es lernen, bei einigen half mir im Nachhinein die Tatsache, daß ich lieber im Voraus plane.

  • Jahresabo bei test.de (Stiftung Warentest) um sich über allerlei Produkttests für Kinderprodukte schlauzulesen. Das lohnt sich in jedem Fall, denn bei der Sicherheit meines Kindes will ich keine Kompromisse eingehen und wer billig kauft kauft mehrmals.
  • Ratschläge von anderen anhören und überdenken, aber nie blindlings aufgreifen. Alle Kinder sind anders. Manche sind pflegeleichter und manche ziemliche Streßfaktoren im Leben der Eltern. Hier zu meinen es gäbe Einheitsrezepte ist bestenfalls naiv. Auch ist es so, daß sich die Ratschläge von Kinderärzten zum Teil widersprechen. Daher ruhig nachhaken und dann eine eigene Meinung bilden — gegebenenfalls mithilfe von Fachliteratur.
  • Kind — welches noch nicht der Sprache mächtig ist — schreit: Prüfen ob Hunger, volle Windel oder Müdigkeit (oder alles) vorliegt.
  • Kind trinkt nicht. Probiert andere Sorten von Flaschen bzw. Aufsätzen. Wir haben uns durch vier oder fünf Marken bzw. Modelle durchprobiert bis es klappte. Und da sind jene in der Klinik noch nicht mitgezählt.
  • In den ersten Monaten hat sich bei uns ein Babynest bewährt. Es bildet eine Barriere zum Kind, während das Kind im Bett der Eltern schläft. Bei uns schlief sie zwischen unseren Kopfkissen. Durch die Barriere wird verhindert, daß das Kind zugedeckt wird oder man darauf rollt. Außerdem kann ein Kind so schnell beruhigt werden, sobald es unruhig wird. Gerade solange unsere Tochter noch in der Nacht gefüttert werden mußte, hat sich das gut bewährt. Aber nicht vergessen: irgendwann sollte das Kind auch im eigenen Bett schlafen. Bei uns war das nach einem knappen Jahr der Fall, wenn ich mich recht entsinne.
  • In den ersten zwölf bis 18 Monaten ausschließlich einen Schlafsack verwenden. Das Kind im Schlafsack ins Babynest oder ins eigene Bett legen. Kein Kopfkissen, keine Bettdecke oder andere Decken, keine Kuscheltiere. Dies beugt nachweislich dem plötzlichen Kindstod in diesem Altersbereich vor.
  • Windel wird gewechselt und das Kind mit einer Wundschutzcreme eingecremt. Anfangs hatte ich den Dreh noch nicht ganz raus und nahm immer ein Tuch um die restliche Creme abzustreifen. Dabei ist es doch so einfach: die restliche Creme auf der Innenseite der frischen Windel abstreifen.
  • Da Kinder in den Anfangsmonaten viel Zeit im Liegen verbringen, sollte man daran denken über ihnen etwas Abwechslung zu bieten: beispielsweise Mobiles. Das bietet sich auch insbesondere über dem Wickeltisch an, um das Kind abzulenken.
  • Das Kind läuft! Supi. Dann hoffen wir mal, daß es zuvor mindestens — von den Anfängen bis zu ersten Laufversuchen — gekrabbelt ist1. Das Krabbeln ist wichtig für die Ausbildung der Muskeln des Schultergürtels. Kinder die nicht genug gekrabbelt sind oder direkt zum Laufen übergehen, haben später Probleme mit der Feinmotorik. Das läßt sich unter anderem an Schwierigkeiten beim Schreiben in der Schule und am Schriftbild erkennen. Wenn man es aber vorher weiß, kann man sich an den Kinderarzt wenden und eine Physiotherapie bekommen, welche die zukünftigen Probleme deutlich abmildern kann. Es ist faszinierend — und traurig — wieviele Eltern zu spät zu Arzt und/oder Physiotherapeut gehen. Da bekommt man als Eltern eines extremen Frühchens natürlich mehr Hilfestellungen und Hinweise. Die körperliche und kognitive Entwicklung sind jedenfalls eng verknüpft.
  • Euer Kind hat eine Vojta-Therapie verschrieben bekommen. Vojta ist — zu Unrecht — verrufen als brutal. Der Grund ist, daß das Kind während der Therapie meist vor Anstrengung schreit. Es hat ja auch keine andere Methode zur Kommunikation außer Lachen, Schreien und derlei mehr. Das Problem ist nur, daß Eltern solcher Kinder das Schreien leider mißverstehen als Ausdruck von Schmerzen. Außerdem fürchten viele Eltern, daß ihnen die Kinder diese vermeintliche brutale Behandlung — denn als Eltern muß man selbst die Voijta-Therapie anwenden, regelmäßig begleitet von Physiotherapeuten mit entsprechender Ausbildung — übelnehmen. Das war bei unserer Tochter nicht der Fall und laut Physiotherapeutin auch noch nie bei anderen Kindern. Es könnte aber sein, daß die Kinder einem im Erwachsenenalter verbaute Chancen übelnehmen, weil man als Eltern aufgrund von Vorurteilen die Vojta-Therapie schleifenließ. Wie schon geschrieben: körperliche und kognitive Entwicklung gehen Hand in Hand.
  • Vorlesen ist wichtig. Das sagt die Stiftung Lesen. Aber als bibliophiler Vater, war Vorlesen bei mir auch ganz ohne diesen Rat selbstverständlich. Man merkt es am Wortschatz und der Ausdrucksweise. Zwar klappt die Benutzung mit knapp vier Jahren auch nicht bei allen Worten und manchmal werden Worte auch nicht ganz korrekt ausgesprochen, aber den Unterschied merkt man dann spätestens auf dem Spielplatz im Vergleich mit anderen Gleichaltrigen. Hier eine Zitatauswahl (die Rechtschreibung ist der Aussprache angepaßt!):
    • “Mädchen haben einen nackten Bart, Jungs haben einen Gras-Bart”
    • “Schafi, ich hab gegröpst, g’rade”
    • “Wenn du so ein Schweinkram machst, dann nehm’ ich dir das Buntpapier weg.” (zum Kuscheltier)
    • “Heute gab es Spaghetti mit Fleischsuppe und Pommesahne!” (Fleischsuppe = Bolognese, Pommesahne = Parmesan)
    • “Das ist ein Mädchenkind und das ist ein Jungerekind! Leute gibt’s als Mädchen und Junge.”
    • “Janumar, Nebrumar, März, April; die Jahresuhr steht niemals still” (Ausschnitt eines Liedes)
    • “Ich schenk der Uroma … ein gepflückten Blumen”
    • “Mit Streuseln bitte, Papa.”
    • “Sna Martin” (Sankt Martin; daraus wurden dann auch “Snamarties” für die bunten Schokolinsen)
    • “Kamütze” (statt Kapuze)
    • Minchen auf dem Weg zu ihrem Tisch mit dem Frühstücksteller.
      Ich rufe hinterher: “Willst du auch etwas trinken?”
      (Zustimmendes) “Mmmh mmmh”
      Ich daraufhin: “Was möchtest du denn trinken?”
      Sie dreht sich um und sagt keck: “Der Pirat möchte Kiwisaft!” (Kiwisaft sagt sie zu Mandarinensaft)
  • KneeGuardKids. Ich gebe eigentlich auf meinem Blog nur wohldosiert Produktempfehlungen. Nahezu nie. Zwar bekomme ich regelmäßig Emails in denen mir “gesponsorte Beiträge” angeboten werden, aber auf derlei Mist lasse ich mich ein. Der KneeGuardKids jedoch ist eine Empfehlung wert. Ich frage mich warum das nicht zur Standardausstattung oder mindestens zu den Standardempfehlungen beim Kindersitzkauf gehört. Es handelt sich um eine Fußstütze mit einer höhenverstellbaren Ebene auf denen das Kind die Füße abstellen kann. Normalerweise baumeln die Beine ja einfach vom Sitz, was bei manchen langen Fahrten schonmal zu Problemen führen kann. Daher ist es extrem entlastend für das Kind und die Eltern, wenn das Kind seine Beine irgendwo aufsetzen kann.
  • Akupressurbänder gegen Übelkeit. Diese Bänder werden wohl auch Schwangeren empfohlen. Wenn sie wirken, sind sie unschlagbar (und übertreffen die Wirkung diverser Pillen gegen Reisekrankheit um Längen). Wenn sie nicht wirken, hat man leider Pech. Bei uns wirkten sie bei der Schwangeren und jetzt beim Kind. Eine Erleichterung nicht pro Fahrt einmal ein kotzendes Kind zu haben 😉

Das war’s erst einmal. Wenn noch mehr hinzukommt, ergänze ich diesen Eintrag.

// Oliver

  1. diese Einschätzung stammt von der von uns sehr geschätzten Physiotherapeutin unserer Tochter []
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