“Fake-News”

Dieser Anglizismus hat das Zeug zum nächsten Wort des Jahres.

Um erfundene Nachrichten soll es sich handeln. Erfundene Nachrichten wären in der Tat schlimm. Aber seit wann sind Wortmeldungen auf Facebook Nachrichten?

Einerseits scheinen sich unsere selbsternannten “demokratischen” Eliten schon vor der nächsten Wahl zu fürchten und bauen schonmal vorsorglich das Gespenst eines russischen Hackerangriffs auf. Vermutlich um im Falle eines durchaus möglichen AfD-Sieges alles auf einen Hackerangriff schieben zu können und die Wahl infrage zu stellen oder gar gleich für ungültig zu erklären. Da versteigen sich dann Journalisten zu der Aussage es habe ja schon einen russischen Hackerangriff auf den Bundestag gegeben, daher sei die Gefahr für die kommende Bundestagswahl real. Beweise bleibt man auch hier schuldig. Die Täterschaft von Hackerangriffen nachzuweisen ist nämlich ungemein schwer. Auf mehr als einen Herkunftsrechner zu schließen ist nahezu unmöglich. Zeitzonen können noch Hinweise bieten, aber das war’s dann oft schon. Ob die Herkunftsrechner eines Angriffs nur am Ende einer Kette von Verbindungen stand, die zur Verschleierung benutzt wurden, ist oft nicht mehr ermittelbar.

Was gefordert wird, sind nichts anderes als neue Zensurinstrumente. Zensursula wird’s freuen. Ab wann werden denn Blogeinträge und Wortmeldungen in (a)sozialen Netzwerekn zu “Fake-News”? Überhaupt, seit wann sind Wortmeldungen mit einer Nachrichtenmeldung vergleichbar? Tendenziöse Berichterstattung wie man sie seitens des ÖR oder der überregionalen Zeitungen und Magazine zum Thema Ukraine seit Jahren findet, funktioniert durch gekonnte Weglassungen und Überspitzungen. Da wird selten etwas dazu erfunden. Aber sind sie deshalb weniger gefährlich? Und ist die Reichweite irgend eines Horsts oder einer Uschi auf Facebook tatsächlich soviel größer als die der Tagesschau oder der FAZ?

Im Grunde läuft es aber in jedem Fall auf die gleiche Argumentationslinie hinaus, die sich schon in den Begründungen der sogenannten bürgerlichen Parteien zur Verweigerungshaltung gegenüber der Einführung bundesweiter plebiszitärer Elemente findet. Der gemeine Bürger gilt als dumm. Oder in Herrn Gabriels Duktus: Pack. Wahlpack träfe es noch besser. Und damit sind ganz sicher nicht nur Pegidisten und AfDler gemeint. Man verweigert denen die als Souverän bezeichnet werden jedwede erweiterte Mitgestaltungsmöglichkeit außerhalb der Wahlen alle paar Jahre. Von den vorenthaltenen Mitgestaltungsmöglichkeiten aufgrund geringeren Einkommens wollen wir lieber mal nicht reden. Die Bundesregierung offenbar ja auch nicht. Paßt dann wieder zu Zensurmaßnahmen und postfaktischem Zeitalter.

Bürger sind also zu dumm um Meldungen selbst verifizieren zu können. Das Problem hat leider mehrere Facetten. Einerseits mag es tatsächlich sein, daß statt Politischer Bildung vielleicht ein Fach Medienkompetenz in der Schule angeboten werden sollte1. Aber zuviel Bildung und Medienkompetenz macht die Bürger weniger lenkbar; mag also wiederum nicht im Interesse der Eliten liegen. Und die Wirtschaft hätte sicher auch etwas dagegen wenn diverse Tätigkeiten, wie ihr Werbetreiben, plötzlich von einer Bevölkerungsmehrheit kritisch beäugt würden.

Andererseits fehlt es vielen Menschen auch schlicht an Zeit und vor allem an Sprachkenntnissen um eine Meldung von mehreren Seiten zu betrachten und Quellen in der Ursprungssprache heranzuziehen. Und genau das ist ein riesiges Problem, welchem eigentlich mit der laut Rundfunkstaatsvertrag gebotenen unabhängigen Berichterstattung begegnet werden sollte. Nur leider marschieren unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunker stramm transatlantisch. Da haben andere Sichtweisen keinen Platz mehr. Selbst wenn der ÖR von jetzt an versuchen würde die journalistisch gebotene professionelle Distanz zu wahren, und damit Erfolg hätte, wäre es vermutlich zu spät. Es wurde zuviel Vertrauen verspielt. Dieses zurückzugewinnen kann Jahre dauern. Die Lösung für die aktuelle Misere ist es also nicht.

Also wird der Zensurhammer geschwungen, denn wenn die Pfründe der Machteliten bedroht sind, müssen eben auch Grundrechte zurückstehen.

Schöne neue Welt.

// Oliver

  1. gern auch zusätzlich ein Fach “Persönliche Finanzen” []
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