Sterbehilfe illegalisieren?

Wie kommt es, daß insbesondere Unionspolitiker wie Herr Oettinger sich gegen Sterbehilfe aussprechen? Geschieht dies aus dem Kalkül des Kapitalisten heraus, daß jeder tote Bürger quasi den ROI (Return of Investment) mindert? Oder hat es mit den christlichen “Werten” zu tun, nach denen Selbstmord Sünde ist? Man kann sich sicherlich über die Form “dieser Sache” streiten, aber bei einvernehmlicher Sterbehilfe sollte sich meines Erachtens nach der Staat gefälligst nicht einmischen.

Abgesehen davon, war es nicht gerade die christliche Lesart, daß das Schicksal eines jeden Menschen von Gott vorbestimmt ist? Wieso meinen sie also den Sterbehelfer oder dem Geholfenen zu richten? Nach christlicher Lesart sollte dies doch Gott vorbehalten bleiben, oder? Ach ja – da war ja noch der freie Wille. Das ist natürlich doof. Aber jeder legt es sich ohnehin so zurecht wie er’s braucht.

Und dann gibt es ja noch die “christlichen” Sterbehelfer, die meinen entscheiden zu dürfen, ob das Leben des Kindes oder das der Mutter mehr Wert habe. Ist das nicht auch unerwünschte Sterbehilfe an der Mutter? Was genau ist der Unterschied? Vielleicht die Tatsache, daß bei einvernehmlicher Sterbehilfe alle Beteiligten im vollen Bewußtsein handeln, während man das von einem Ungeborenen eben nicht annehmen kann?!

// Oliver

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3 Responses to Sterbehilfe illegalisieren?

  1. bijo says:

    Danke für den Beitrag. Ein drückendes Thema, mit dem man sich aber besser schon rechtzeitig auseinander setzen sollte und Vorkehrungen diesbezüglich anstrengen sollte.
    Die Problematik beim Mutter-Kind-Konflikt kann man ja noch aus medizinischen Sichten relativieren. Aber zur der Problematik des Argumentes “freier Wille” kommt noch die juristischen Faktoren “Schutz vor sich selbst” und “Unzurechnungsfähigkeit” hinzu. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Krankheit mit depressiven Auswirkungen Entscheidungen hervorrufen kann, die man im gesundem Verstand nicht so gewählt hätte. Nur wie will man wissen, ob ein Sterbewilliger beeinflußt ist? Schmerzen, unabsetzbare Medikamente oder psychische Nebeneffekte können solche Beeinflussungen hervorrufen. Und wie soll man dann für den Patienten entscheiden? Ich könnte wohl nur entscheiden, ob eine Rückkehr zum Normalzustand irgendwie möglich wäre. Wenn nicht, dann wäre ich bereit passive Hilfe zur leisten. Wenn aber doch ein Normzustand möglich ist, so muss alle Kraft darein gesetzt werden, diesen zu erreichen und zeitweise aufrecht zu erhalten, dann gilt die volle Selbstbestimmung, egal was gewählt wird.
    Eine glaubensethische Verurteilung kann einen “ungläubigen” Patienten und Sterbehelfer doch egal sein. “Dann fahren sie halt zur Hölle/Abgrund/etc.”, aber das haben sie sich doch selbst ausgesucht. Das Gesetz sollte ja von der Religion getrennt sein und im heutigen Stand nur eine vom Glauben (bei uns von den Christlichen) aufgebautete Normierung sein. Durch die Glaubensfreiheit fällt damit die Sünde schonmal weg. Wenn man nun auch keinen anderen materiell (körperlich, finanziell, …) oder psychisch schadest (also Angehörige sind involviert), sollte es doch kein Problem einer passiven Sterbehilfe geben. Aktive möchte ich jetzt mal weglassen, da man dies zu heftig ausnutzen könnte (finanziell und kriminäl).
    Finanziell kann man dann aus der Sterbehilfe auch was rausholen, z.B. Pharmaindustrie, Sterbehilfenagenturen statt Stiftungen und Vereine, Knebelverträge zwischen Agenturen und Bestatter, Sterbehäuser (dann eher “Sterbehotels”), Versicherer könnten auch spezielle Klauseln anpassen. Wie man sieht, können hier auch Geschäftszweige florieren, wobei ich mich von solchen Geschäftspraktiken mal distanzieren möchte.

    Gruß
    bijo

  2. Oliver says:

    Ja, Kommerzialisierung ist denkbar und gerade in unserer Gesellschaft wahrscheinlich. Traurig, daß dem so ist.

    Danke für den Kommentar.

    // Oliver

  3. Chris says:

    Kann man beides in sich vereinbaren?:
    Gegen Hinrichtung aber für Sterbehilfe?

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