Eine deutsche Einheit …

… wird es in naher Zukunft wohl nicht geben. Nach wie vor, wird sogar bei der Mindestlohndebatte ein 1-EUR-Unterschied zwischen alten und neuen Bundesländern als normal angesehen. Widerlich, wie bigott unsere Politiker argumentieren. An dem gleichen Preisniveau in Ost und West ändert das aber auch nichts.

// Oliver

This entry was posted in DE, Gedanken. Bookmark the permalink.

5 Responses to Eine deutsche Einheit …

  1. Christian says:

    Na also ich denke doch, dasses da kleine Preisniveau-Unterschiede gibt. Schau Dir mal den Mitwohnungsmarkt in Hamburg an oder in Plauen. Oder geh mal in Stuttgart abends weg oder in Rostock.
    Das ein Auto überall gleich viel kostet, ist natürlich was anderes.

    Ich finde nicht, dass man das Gefühl einer Einheit an so Sachen wie halbscharige Mindestlohndebatten oder Solidaritätszuschägen festmachen kann, sondern eher an Erlebnissen wie der Fussball-WM.

    Grüße aus dem Preisniveau-Extrembeispiel München,
    Christian

  2. Oliver says:

    Moin,

    daß man es nicht daran allein festgemacht werden kann ist klar.

    Zum Soli-Zuschlag hast Du auch recht. Viele wissen nur (noch immer) nicht, daß der von allen Deutschen bezahlt wird, so daß es oft als Almosen an den Osten gesehen wird. Das wäre dann wohl auch eine (gedankliche) Trennung.

    Mieten werden sich auch wieder normalisieren, denn dafür wird schon kräftig abgerissen, was bei eventuell wieder steigender Nachfrage einen Preisschub nach sich ziehen wird.

    Die Preise für die Waren des täglichen Bedarfs unterscheiden sich auch nicht so drastisch wie die Mieten/Wohnpreise (sind teils nachgewiesenermaßen höher im Osten), fallen aber auch für jeden an. Und Spritpreise fallen auch für jeden an. Als Krönung – und das dann auch um mal die Unterschiede hervorzuheben – pendeln im Osten viel mehr Leute (auch, und insbesondere, nach Süddeutschland). Am schönsten sieht man das an den ganzen Nummernschildern an beliebigen Feiertagen in beliebigen ostdeutschen (Klein-)Städten mit spürbarer Erwerbslosenquote.

    Dank Auslöse kann man sich dann zwar ein Zimmer leisten, insgesamt rechnet sich das mit Sprit- und Wartungskosten fürs Fahrzeug (usw.) auch nicht mehr so doll. Der Trick ist nur, daß die Leihfirmen (“Zeitarbeitsfirmen”) oft im Osten sitzen und damit (bei Tarifbindung) die doch deutlich niedrigeren Löhne zahlen. Damit Du nicht denkst, daß das mal eben an den Haaren herbeigezogen ist, sollte ich vielleicht erwähnen, daß ich es dank meines Vaters aus erster Hand weiß. Ach ja, und mit den Preisen in Stuttgart (und Umgebung) sitzt der “Billigossi”/die “Billigossa” ((Ich “liebe” diese Begriffe, weil sie so schön die noch vorhandene geistige Trennung Deutschlands zeigen, muß sie aber hier zwangsläufig verwenden.)) dann eben doch lieber zuhause, weil er mit Osttarif-Lohn trotzdem Westtarif-Preise hat (+ Sprit- und Wartungskosten fürs Fahrzeug).

    Was ich aber noch immer – und mehr als alles andere – verdamme, ist die Tatsache, daß wir Ossis unsere Geschichte/Vergangenheit verleugnen oder uns dafür schämen sollen. So kann man keine echte Einheit erwarten, bevor auch der letzte ehemalige DDR-Bürger weggestorben ist. Viele (Alt-)Nazis durften und dürfen in Deutschland unbehelligt leben; aber Ostdeutsche (und ich meine die völlig normalen Bürger) sollen sich für “die DDR-Diktatur/das DDR-Regime” rechtfertigen oder schämen. Da war nicht alles in Ordnung, ohne Frage. Allerdings kann ich mir von meiner Meinungsfreiheit heute auch nichts kaufen. Im Gegensatz zur BILD-Zeitung bin ich eben nicht auflagenstark genug. Damals wußten DDR-Bürger die Grenzen und konnten sie einhalten oder rebellieren und dann mit den Konsequenzen leben. Heute gibt es auch Grenzen. Nur sind die meisten finanzieller (ja, zurück beim Thema) Natur. Klar kann ich fast überall hinreisen. Wenn ich mir’s leisten kann. 😕 … aber zum Glück gibt es bei Reiseanbietern, wie auch auf dem Wohnungsmarkt, Ossitarife. Na klaaaaar! 😆

    Die DDR-Diktatur wird auch immer schön betont. Habe noch nie jemanden betonen hören, daß Nazis hohe politische Ämter im Nachkriegswesten bekleidet haben. Rechts geht immer, links geht nimmer. Ist ja auch klar, weil “links == Geschichte der DDR == Diktatur == böse”.

    Da werden dann bekloppte Ossi-Shows gemacht, in denen die damalige Gesellschaft entweder durch den Kakao gezogen oder dämonisiert wird – im Zweifelsfall in Kombination, um dem “intellektuellen Anspruch” gerecht zu werden. Aber im Austausch für und Rahmen von solchen Shows “darf” sich jeder Ossi als sächselnd hinstellen lassen; worauf ich nur antworten kann “Ihr seid doch bähgloppt! 😆 “. Was stört’s die “Comedians” (früher hieß das mal Komiker), daß in der DDR nicht jeder gut auf die Sachsen zu sprechen war, weil die z.T. gegenüber anderen Regionen bevorzugt wurden?! 🙄

    Auch bei der Schulbildung haben wir ja inzwischen das “skandinavische Modell” ganz doll lieb. Auch wenn Finnland nichtmal in Skandinavien liegt und der Begriff auf das dortige Modell abzielt und sich zu allem Überdruß dortige Menschen über die dt. Besucher wunderten; denn schließlich hatte man das Modell, welches bei PISA so gute Ergebnisse brachte, doch aus Deutschland übernommen … ach ja, nicht ganz … es war genaugenommen aus der DDR. Da war aber alles schlecht und deswegen heißt es ja jetzt auch “skandinavisches Modell”, weil niemand ein “DDR-Modell” liebhaben könnte 😉 :mrgreen: … nicht das einzige Beispiel, aber das prominenteste.

    Nimm’s mir nicht krumm. Kleine Gesten würden sicher manchmal reichen; und auch wenn ich persönlich mich nicht beklagen kann, kenne ich den Schlamassel “Arbeitslosigkeit”. Wenn Du mal Statistiken verfolgst, wirst Du auch feststellen, daß wir bei Mindestlohn zum Teil schon über illusorische Summen reden. Die Mehrheit dürfte auch aktuell noch drunterliegen. Nachgewiesenermaßen ist der Unterschied im Osten im Durchschnitt nämlich nicht nur (8,00/9,80 * 100 == ) 81,64% vom Westlohn, sondern leider noch allzuoft in den Regionen von 60-70% und drunter. Alternativ können wir auch einen Euro Unterschied ansetzen, womit es – ab ca. vier bis fünf Euro für Ost – noch düsterer aussähe.

    Grüße aus Reykjavík und dem teuersten Land der Welt ;),

    // Oliver

  3. Dr. Bernardy says:

    “Alle haben es gewollt”

    Ob DDR oder Nazi-Deutschland, – die einen haben gelitten, die anderen wollen nichts davon bemerkt haben.

    http://www.poolalarm.de/kindersuchdienst/index.html

    http://www.poolalarm.de/kindersuchdienst/leserbriefe.html

    http://www.poolalarm.de/kindersuchdienst/ddr-schule.htm

  4. Oliver says:

    Hallo Dr. Bernardy,

    das geht jetzt nicht wirklich auf obige Kommentare oder meinen Ursprungspost ein. War das nur um die Links prominent auf einer Seite mit hohem Pagerank loszuwerden? 😉 :mrgreen:

    Wuerde mich ueber eine interessantere Antwort freuen. Die Links selber sind ja schon durchaus interessant.

    // Oliver

  5. Oliver says:
    Hinweis an die Leser: Es gab eine Mail direkt an mich, die ich ohne Erlaubnis des Autoren/der Autorin aber nicht veröffentlichen/zitieren werde. Hier aber zumindest meine Antwort.

    Hallo,

    Schönfärberei kann ich in der Vergangenheit nicht sonderlich erkennen, eher das Gegenteil – schon um politisch korrekt zu sein. Interessant sind die Seiten, wie schon erwähnt, allemal. Aber mir persönlich auch deutlich zu einseitig. Aber das ist sicherlich eine Meinungssache und da kann man sich nur entweder auf Konsens oder Dissens einigen oder versuchen den Gesprächspartner von seiner Meinung zu überzeugen.

    Wenn bayrische Schüler mehr über die DDR “wissen” als brandenburgische Schüler, ist das schon traurig, keine Frage. Vielleicht ist das aber gerade ein Ausdruck von der vielgeübten Schlechtmacherei. Das ist vermutlich ähnlich wie bei sog. “Rußlanddeutschen”. Damals in den Sowjetrepubliken wurden sie als Deutsche beschimpft. Hier werden sie als Russen beschimpft. Daß gerade Jugendliche da irgendwann die mentale Jalousie runterlassen sollte verständlich sein.
    Auch habe ich, damals noch in der DDR, gelernt, daß “Wissen” und “Wahrheit” sehr vom Gesellschaftssystem und den “politisch korrekten” Ansichten abhängen. Natürlich habe ich das erst in der Retrospektive gesehen, aber auch das aktuelle politische System ist bei weitem nicht frei davon.

    Viele sagen bspw., daß die DDR eine Diktatur war – Wahlen waren zumindest zugegebenermaßen eher eine Farce. Okay, aber die sog. “repräsentative Demokratie” welche wir im Moment haben, ist de facto eine “Diktatur der Minderheit(en)”. Nun, wie komme ich auf eine so “abwegige Behauptung”. Von Mehrheiten kann bei den üblichen Wahlbeteiligungen und dem Unterschlagen von absichtlich ungültigen Stimmen (die durch das System in die gleiche Kategorie fallen wie Stimmzettel von Leuten die nur zu doof zum Ausfüllen sind) sicher kaum die Rede sein. Wenn 50% (oder teils weniger) der Wahlberechtigten wählen gehen und trotzdem der Bundestag so proppevoll ist, als wären 100% wählen gegangen, stimmt einfach etwas nicht und es ist definitiv nicht repräsentativ.

    Zuguterletzt noch der vorsichtige Hinweis, daß unsere selbsternannten “Demokraten” (und sie benehmen sich ja auch wie “Volksherrscher”) die Welt gern schwarz und weiß sehen, weil das alles so einfach und die “Demokratie” so schön macht. Denn haben Sie schonmal jemanden mehr als Diktatur und Demokratie zur Auswahl stellen gehört/gesehen? Ich nicht! Es gibt sicher eine Menge anderer vorstellbarer Gesellschaftsmodelle, aber das aktuelle ist nicht soweit von einer autokratischen Diktatur entfernt wie man uns weismachen will.

    Mit freundlichem Gruß,

    Oliver

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.