Anfang diesen Jahres schrieb ich eine Rezension für ein Produkt welches meine Frau erstanden hatte. »Leider« — ein Schelm der Böses dabei denkt — ist die Originalrezension (★★☆☆☆) von mir verschwunden 1. Am heutigen Tag gibt es angeblich keine »★★☆☆☆«-Bewertungen des Produkts. Hier folgt der Originaltext der Rezension für »Daely® Calendar – Digitaler Kalender 15.6″ – Familienplaner – Wandkalender«:
»Etwas kaputt, Probleme oder Ideen? Sag’s uns sofort!« … gern: Datensouveränität geht anders!
Benutzerführung verwirrend, aber okay. Nur Netzbetrieb, auch okay. Gründer und Werbematerial sympathisch. Das Punkt- und Belohnungssystem für Kinder, klasse! Mein Punktabzug basiert auf anderen Aspekten, die – scheint’s – fast komplett geopfert wurden.
Vorab: Familien-IT ist normalerweise meine Sache. Beruflich bin ich seit 20 Jahren in der IT-Sicherheit unterwegs und privat sehr auf Datensouveränität und -schutz bedacht. Das Gerät wurde nicht von mir sondern von meiner Frau erstanden. Aber wie es manchmal so ist, hat Bequemlichkeit über andere (aus meiner Sicht wichtigere) Aspekte wie Datensouveränität, Datenschutz usw. gesiegt.
Die Benutzerführung bei dem Gerät und auch der App finde ich verwirrend und ein wenig »smileylastig«. Positiv hervorzuheben ist jedoch, daß die App (Android) auch ohne Play Services problemlos läuft.
Negativ auch für »normale« Anwender – technische Laien sind ja das genannte Zielpublikum – ist auch, daß ein Android-basiertes Gerät welches im ständigen Netzbetrieb ist es nicht schafft die Uhrzeit zu halten. Bei einem _Terminkalender_ für die Familie sollte dies wohl vorausgesetzt werden können. Nicht so hier. Aber es gibt auch keine Möglichkeit in der Oberfläche hart eine Synchronisation zu erzwingen.
Ach ja, und wieso bitte wird CalDAV nicht unterstützt bei einem Produkt welches als »Kalender« firmiert?! Für die technisch weniger bewanderten Leser: iCal (unterstüzt vom Dæly) ist ein dateibasiertes Format (also Synchronisation nur in eine Richtung) und CalDAV ist ein Protokoll mit dem Termine in beide Richtungen auch mit einem eigenen Server synchronisiert werden _könnten_. CalDAV ist etabliert und es gibt viele Lösungen die sich geradezu anböten vom Anbieter direkt ohne viel Aufwand eingebaut zu werden. Zur Erinnerung: es handelt sich ja »nur« um ein modifiziertes Android.
In der Produktbeschreibung liest man »Gemeinsamer Kalender, farblich sortiert & synchronisierbar mit Online Kalendern«. Ja, wenn man sein Google-Konto anflanscht, kann man den Dienst eines Datenkraken durchaus benutzen. Aber CalDAV bei einem vertrauenswürdigen Anbieter oder selbstgehostet bleibt außen vor.
Der Anbieter ist komplett intransparent was den Datenfluß angeht und das bei dem Firmennamen! Ich habe keine Dokumentation gefunden und eine Emailanfrage wurde nie beantwortet.
Komplett ad absurdum geführt wird der Anspruch »Server in Deutschland – Sichere Daten« aber beim Thema Galerie/Bildmodus. Das Gerät verfügt über eine Art Bildschirmschonermodus in dem (einstellbar) in Abständen Fotos wechselnd angezeigt werden. Quasi ein digitaler Bilderrahmen, so denn nicht die Kalenderfunktion genutzt wird. Tolle Idee, möchte man sagen. Und dann sieht man das Kleingedruckte. Fünfzehn (15) Bilder sind möglich, das wird auch recht offen kommuniziert. Davon sind drei fest vorbelegt und nicht löschbar. Korrekt wäre also eigentlich Aussage: zwölf Bilder sind möglich. Im »Bildermodus«-Bereich der App gibt es dann auch einen Link »Warum nur 15?« wo wir lernen: »Deine Bilder sind sicher in unserer Cloud in Deutschland verwahrt. Da wir unseren Serverspace für alle User komplett kostenlos zur Verfügung stellen, trotz laufender Kosten, müssen wir die Anzahl der Bilder pro User limitieren. In Zukunft wird es auch Optionen für mehrere GB Speicherplatz, uvm. geben. Du hast Gedanken und Feedback dazu? Schreib uns! :)« … na gerne doch. Ich hab Feedback und Gedanken dazu und da ihr Emailanfragen ohnehin nicht beantwortet, gibt es diese direkt hier in der Rezension. Der Speicherplatz erzeugt also Kosten, das ist eingängig. Aber warum kommt hier überhaupt »die Cloud« zum Einsatz? Es ist extrem unwahrscheinlich daß der verbaute Festspeicher im Produkt nur für Systemdaten (inkl. Updates) ausreicht. Und falls doch, läge es nahe eine Option mit mehr Speicher _und_ mehr Datensouveränität anzubieten oder einen microSD-Kartensteckplatz zu verbauen und dem Anwender zu überlassen ob er davon Gebrauch machen will oder nicht. Android selber würde problemlos ermöglichen die Medieninhalte vom internen und externen Speicher gemeinsam einzublenden oder zwischen diesen zu wechseln. Speicherproblem gelöst. Und wenn jetzt der Einwand kommt, daß diese Medieninhalte dann ja nicht zwischen mehreren Dæly-Geräten – jeder Wohnraum ein Dæly, klar! – synchronisiert würden, das stimmt natürlich. Allerdings schließt die eine Option nicht die andere aus. Und genaugenommen erfährt man davon, daß beim Bestücken mit Bildern »die Cloud« involviert ist, erst wenn man den o.g. Link bemüht. Ich hatte zumindest nicht erwartet daß diese Bilder überhaupt irgendwo hochgeladen würden. Die paar MB für 15 Fotos sollten üblicherweise problemlos vom internen Speicher abzuzwacken sein. Als ich es dann las, war es schon zu spät. Aber »die Cloud« ist ja sicher Zwinkersmiley.
Zwar wird an verschiedenen Stellen darauf verwiesen daß die Geräte EU-Produkte sind, der DSGVO unterliegen und so weiter. Hintertrieben wird das aber dann durch selbstgemachte Sachzwänge wie die oben genannten, bspw. Kalender nur bei Datenkraken oder Einbahnstraße mit iCal und eben Fotos direkt in »die Cloud«.
Im Werbematerial findet man noch den Satz »Der Planer, der auch wirklich genutzt wird…«. Jain. Ich versuche das Teil zu meiden und die App ist weggesperrt und darf nicht im Hintergrund laufen. Meine Frau und unsere Tochter nutzen es regelmäßig. Unsere Tochter eben direkt per Touchscreen am Gerät, meine Frau wohl mehr über die App. Und das Belohnungssystem ist WIRKLICH klasse und erzeugt in der Tat eine gewisse Euphorie beim Kind. Und auch wenn wir ähnliche Belohnungssysteme in der Vergangenheit schon analog im Einsatz hatten, finde ich es auch nicht schlimm daß dies hier mit modernen technischen Mitteln umgesetzt ist. Ob der Seitenhieb auf ein ansonsten existierendes »Zettelchaos« oder »Familienchaos« wirklich notwendig war? Was haben die Leute nur vor dreißig Jahren getan? Und aus den Gründern der Anbieterfirma ist dennoch was geworden 😉 …
PS: Der Anbieter meint »Etwas kaputt, Probleme oder Ideen? Sag’s uns sofort!«. Dazu kann ich nur sagen: Datensouveränität und -schutz gehen anders! Leider wurde auf meine Email kurz nach Neujahr 2026 nie reagiert. Offenkundig also eher Lippenbekenntnis als gelebte Firmenphilosophie.
Mir scheint der Anbieter des Produkts ist auch etwas dünnhäutig, was kritische Rezensionen — und damit Meinungsäußerungen zur Zufriedenheit mit seinem Produkt — angeht. Mich würde brennend interessieren wieso diese Rezension, die nach Wochen sogar mehrere »nützlich«-Stimmen auf sich vereinen konnte, einfach verschwunden ist.
Ich hatte übrigens absichtlich im Juni noch Fotos nachgereicht, da ja das Produkt von meiner Frau erstanden worden war. Ohne Foto hätte dies ja wirklich eine einfach »gemeine« Schein-Rezension gewesen sein können. War es aber nicht.
Offenbar ist eine konstruktiv 2 kritische Rezension bei fast durchgehend positiven Rezensionen 3 immer noch zu kritisch.
Ursprünglich hatte sie Amazon anstandslos freigeschaltet, was bei Amazon auch nicht gerade immer so ist.
Eine Meinung und die Rezension von,
Oliver
PS: Hier die Email nach der Aktualisierung vom 2026-06-14 meiner zuvor schon veröffentlichten Rezension — mit Hinzufügen von mindestens einem Foto und mindestens der Rechtschreibkorrektur mit dem fehlenden »ist« von oben:
