Denkste! Wahnsinns-Murks doch nicht vorbei …

Heute fuhr ich so durch die Stadt, als mich plötzlich ein Opel mit Deutschlandfahnen verfolgte. Schlimm genug, dachte ich, immernoch so eine verirrte Seele. Aber denkste – es handelt sich nach wie vor um ein Massenphänomen. Da waren noch mehr als dieser Opel. Gut, nicht alle hatten ganze zwei Fahnen montiert, aber eine war schon drin bei mehreren anderen Autos.

Da stellt sich mir jetzt die Frage, warum machen die das? Also um mich zu ärgern kann eigentlich nicht sein, dazu bin ich zu selten in der Innenstadt. Irgendeinen Sinn muß es doch haben. Na gut, man kann sicher stolz drauf sein, daß die WM nicht von gewalttätigen Chaoten versaut wurde und wir können uns auch gern alle nochmal auf die Schulter klopfen, weil wir so tolle Gastgeber waren. Die Frage für mich ist nur, ob die WM der Auslöser dazu war, daß es mehr Patridioten gibt, oder ob es sich dabei eher um eine zuvor unterdrückte Haltung handelt, die man sich nun rauszulassen traut?! Wie man weiß, halte ich es ja eher mit Schopenhauer in Hinsicht auf Patriotismus, aber mal direkt gefragt, was genau ist es denn, auf das wir stolz sein dürfen/können/sollen/wollen? Irgendwie fällt mir da nix ein.

Stolz auf Goethe und Schiller kann ich auch sein ohne die Deutschlandfahne zu hissen. Was ist es denn, worauf ich stolz sein könnte? Zugegeben, vor 16 Jahren hätte ich eben nicht in Schweden arbeiten können – vonwegen DDR und so. Aber was hilft denn diese Einsicht, wenn man feststellt, daß “die Westdeutschen” (ich hasse Verallgemeinerungen und möchte deutlich sagen, daß ich auch Ausnahmen kenne) “den Ostdeutschen” (hier gilt gleiches) ja nichtmal mehr eine Vergangenheit zugestehen? Da ist es halt so, daß alles in der DDR schlecht war und erstmal abgeschafft wurde. Inzwischen wird und wurde das ein oder andere bereits als Eigenerfindung wieder neu eingeführt (grüner Pfeil, umfassendes Kindergartenangebot, Einsichten hinsichtlich Ganztagsschule). Und was ist mit der sogenannten Wiedervereinigung? Wer kann denn da von einer Vereinigung sprechen? Vereinnahmung, Annektion oder “Schlucken” trifft’s wohl eher. Mehr als 10% der geeintdeutschen Bevölkerung müssen ihre Vergangenheit verleugnen und wurden noch nichtmal gefragt, ob sie denn “beitreten” wollen – eine Vergangenheit, in der die meisten weniger Sorgen und Zukunftsängste hatten und besser über die Runden kamen. Selbst Bürgerrechtler von damals verwahren sich gegen die Darstellung, daß sie eine Wiedervereinigung wollten – Reformen, vielleicht Revolutionen, aber Wiedervereinigung? Wie drückten es schon einige aus: damals hatten wir das Geld aber durften nicht reisen; heute dürfen wir reisen, haben aber nicht das Geld. Auf all das soll ich stolz sein? Auf diese Glanzstücke der sog. “Demokratie”?

Wenn man sich heute so einige Politiker anhört und einen anderen als den sog. “westdeutschen Background” hat, kann man sich zeitweise des Eindrucks nicht erwähren, daß Rechtsstaat nichts mit “Recht”, sondern mehr mit “rechts” zu tun hat. Nichts gelernt aus der Geschichte? Sind die Fahnen gar Ausdruck dieses “Rechtsstaates”?

Fragen über Fragen. Vielleicht können mir ja ein paar fleißige Kommentatoren weiterhelfen …

// Oliver

PS: Nur um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, die gesamte deutsche Bevölkerung hätte vor einer Wiedervereinigung gefragt werden müssen. Es hätte eine gesamtdeutsche Verfassung geben müssen, wie im alten Grundgesetz festgelegt. Man braucht doch wohl nicht erwarten, daß man einen Staat schluckt und dort alles erstmal ausverkauft ums neu aufbauen zu können und danach die Bürger auch noch glücklich sind, oder? Ach ja, Soli-Beitrag zahlen wir in Ost und West – im Westen wird das doch allzu häufig übersehen. Und wenn ich mir unsere Straßen hier anschaue, ist davon bei uns nicht viel angekommen. Kann gerne Fotos nachreichen …

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6 Responses to Denkste! Wahnsinns-Murks doch nicht vorbei …

  1. ft says:

    Hilfe, Fußballfans haben was ganz Schlimmes getan!

    Ne, gekloppt haben die sich nicht. Auch keine Stadien oder Innenstädte verwüstet. Es wurden auch keine Ausländer verprügelt (na ja höchtens eine paar englische Randalierer von der deutschen Polizei)

    Ja was war das doch noch für eine Freveltat?

    Ach so, sie haben in kollektivem Ungehorsam “deutsche” Fahnen gekauft und diese auch noch öffentlich zu Schau gestellt, ohne Anordnung und Fünfjahresplan. Iranische, englische und australische Flaggen wären ja nicht so schlimm gewesen, aber DEUTSCHE Flaggen, igitt! Das muss doch was mit radikal oder national(sozialistisch) zu tun haben. Denn eigentlich dürfen die Deutschen das gar nicht – Ihre Fußballmannschaft anfeuern und mit Fahnen unterstützen.

    Halloooooooo – die WM war doch gar keine politische Veranstaltung, sondern eine der FIFA – könnte man doch begreifen, oder? Die FIFA bzw deren Verbandsmitglieder kommen auch größtenteils für die Kosten auf. Für Sicherheits- und Polizeikosten nur begrenzt, das ist nun mal Aufgabe des Staates.

    Tja und warum verstecken die diese gefährlichen “deutschen” Flaggen nicht gleich wieder?

    Ganz einfach, die WM war schön, wir haben tollen Fußball gesehen, auch von unserer Mannschaft. Das hat uns Spaß gemacht, weil wir gerne Fußball sehen. Und wenn wir die Fähnchen nun schon mal bezahlt haben, dann tragen wir die auch noch auf (das ist typisch deutsch). Zumindest solange, bis der Fahrtwind sie uns vom Auto reisst oder es kalt wird und wir die Fenster wieder ganz zu machen müssen.

    Völlig ungefährlich und unpolitisch, diese “deutschen” Fahnen.

    Eine Bemerkung zum Soli noch:
    Es ist richtig, dass im Osten auch Soli bezahlt wird. Es ist aber auch richtig, dass er “ausschließlich” dort verpulvert wird und zwar nicht für Infrastrukurmaßnahmen, sondern für unfähige (Ost-)Parlamente. Also von mir aus sofort weg mit dem Soli – Aber die Fahnen bleiben!

  2. Oliver says:

    Hihi :mrgreen:

    Erstmal danke für den ersten Kommentar in meinem Blog.

    Ach so, sie haben in kollektivem Ungehorsam “deutsche” Fahnen gekauft und diese auch noch öffentlich zu Schau gestellt, ohne Anordnung und Fünfjahresplan. Iranische, englische und australische Flaggen wären ja nicht so schlimm gewesen, aber DEUTSCHE Flaggen, igitt!

    Mir sind andere Flaggen nicht egal, weil sie das gleiche Modell der Nationalstaaten ausdrücken, wie es uns seit über hundert Jahren immer wieder Kriege beschert. Daher auch meine Abneigung in Sachen Patriotismus. Übrigens, tut mir leid, wenn es stört, daß ich mich nicht über die Fahnen anderer Länder aufrege, aber da ich kein Bürger dieser Länder bin, steht es mir meines Erachtens nach auch nicht an …
    Abgesehen davon, habe ich ja weitere Gründe zum Ausdruck gebracht 😉

    Das muss doch was mit radikal oder national(sozialistisch) zu tun haben. Denn eigentlich dürfen die Deutschen das gar nicht – Ihre Fußballmannschaft anfeuern und mit Fahnen unterstützen.

    Nunja, die Sache mit dem Rechtsstaat hat einen anderen Hintergrund, aber da fehlt wohl dem ein oder anderen die entsprechende Sozialisation (also der entsprechende Lebenshintergrund). Ich habe ja leider erst seit ~16 Jahren einen Lebenshintergrund, obwohl ich schon ein Stückchen älter bin.
    Übrigens, wieso wird die deutsche Mannschaft noch immer mit Fähnchen an den Autos angefeuert?

    Halloooooooo – die WM war doch gar keine politische Veranstaltung, sondern eine der FIFA – könnte man doch begreifen, oder?

    Wenn ich mir die Maßnahmen runterum anschaue, die Kommentare zu einem möglichen Besuch des iranischen Präsidenten usw., dann war da ziemlich viel Politik dabei – nicht zu vergessen die ausgeklügelte Überwachung durch entsprechende Technik in den Stadien und “personalisierte Tickets”.

    Tja und warum verstecken die diese gefährlichen “deutschen” Flaggen nicht gleich wieder?

    Oh, sind die gefährlich? *raschel* :mrgreen: *schon-weg*

    Ganz einfach, die WM war schön, wir haben tollen Fußball gesehen, auch von unserer Mannschaft. Das hat uns Spaß gemacht, weil wir gerne Fußball sehen.

    Gut, ich persönlich nicht so sehr, aber sogar trotzdem ich nicht Fan bin, habe ich mich zu einem “Fußballabend” beim kleinen Finale hinreissen lassen 😉

    Und wenn wir die Fähnchen nun schon mal bezahlt haben, dann tragen wir die auch noch auf (das ist typisch deutsch).

    :mrgreen:

    Völlig ungefährlich und unpolitisch, diese “deutschen” Fahnen.

    Na wenn\’s so ist, soll\’s mich nicht stören. Vielleicht sollte ich mal testen solche Leute darauf anzusprechen und in ein kontroverses Gespräch zu verwickeln.

    Eine Bemerkung zum Soli noch:
    Es ist richtig, dass im Osten auch Soli bezahlt wird.

    Moooment, so selbstverständlich ist das nicht. Es gab schon mehrfach überraschte Blicke im Westen unserer Republik, wenn man das ansprach 😉

    Es ist aber auch richtig, dass er “ausschließlich” dort verpulvert wird

    und zwar nicht für Infrastrukurmaßnahmen,

    Im Hinblick auf unsere Straße kann ich das nur bejahen. Allerdings sollte die bereits in der Weimarer Republik schonmal gemacht werden. Vielleicht schaffen wir die hundert Jahre ohne Ausbau sogar noch?!

    sondern für unfähige (Ost-)Parlamente.

    … und für unfähige – weil schonmal im Westen gescheiterte – “Geschäftsleute”.
    Ich kann mindestens zwei regionale Fälle bezeugen, wo die Belegschaft versuchte eine Firma für einiges Geld zu kaufen, was natürlich nicht ging. Nicht lange danach durfte ein “West-Investor” aber selbigen Betrieb für die “symbolische Mark” übernehmen, nur um alle zu entlassen. Bravo. Auch das ist Teil der Erfolgsgeschichte “Soli”. Es dürfte wohl ein großer Teil des Geldes wieder direkt in private Taschen von Mitbürgern aus dem westlichen Teil geflossen sein. So gesehen plädiere auch ich für eine Abschaffung.

  3. Oliver says:

    Also irgendwas stimmt hier mit den Anführungszeichen nicht 🙁

  4. MaBuSE says:

    Hallo Olli,

    ich verstehe Dein Problem mit den Faggen nicht.

    Was hast du gegen die Flaggen?
    Was hast du gegen das positive Wir-Gefühl, das im Moment herrscht?

    Oder stört dich der Nationalstolz?

    Ich bin stolz ein Deutscher zu sein!

    Was ist eigentlich Stolz?
    Die Wikipedia schreibt dazu Folgendes:

    Stolz ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten/verehrten “Ganzen”.

    Da Stolz das Gefühl einer großen Zufriedenheit ausdrückt, finde ich es nicht negativ.

    Ich bin stolz auf mich.
    Das bedeutet, ich bin Zugrieden mit dem, was ich bin und was ich in meinem Leben erreicht habe.
    Ich bin zwar nicht auf alles in meinem Leben stolz, aber im großen Ganzem schon.

    Ich bin stolz ein Deutscher zu sein.
    Das bedeutet, ich bin zufrieden mit dem was Deutschland (wir Deutschen) erreicht haben bzw. aus uns gemacht haben.
    Ich bin zwar nicht auf alles in Deutschland stolz, aber im großen Ganzem schon.
    Die Dinge, auf die ich nicht stolz bin, könne wir ja angehen und ändern 😉 (z.B. Arbeitslosigkeit)

    Ich bin stolz das die Deutschen auf der Vergangenheit gelernt haben.
    Ich freue mich das man seine Liebe zu Deutschland auch zeigen darf. (z.B. mit Flaggen)

    Ich bin Stolz darauf, dass man in Deutschland seine Meinung sagen darf.
    Und ich bin stolz auf mich, dass ich auch andere Meinungen akzeptieren kann.
    (Wenn ich die Anderen auch nicht immer verstehe.)

    Ich bin stolz darauf stolz sein zu dürfen.

    Du bist Deutschland.

    Jeder Einzelne ist ein wichtiges Teil von Deutschland.

    Dieses positive Wir Gefühl was gerade aufkommt finde ich gut.

    Nennen wir das mal Patriotismus.

    Patriotismus (nach der folgenden Definition) ist doch OK, oder?

    Im Wikipedia steht zu Patriotismus:

    Patriotismus (von lat. patria, Vaterland, bzw. von gr. patrios, von einem Vater stammend), auch Vaterlandsliebe genannt, wird eine Haltung verstanden, die eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation.

    Aber viel Wichtiger ist:

    Patriotismus unterscheidet sich in seiner in der Gegenwart allgemein verbreiteten Wortbedeutung von Nationalismus und Chauvinismus dadurch, dass der Begriff nach Auffassung der meisten, die sich zum Patriotismus bekennen, die Identifikation mit dem eigenen Land zum Ausdruck bringen soll, ohne dadurch eine Abwertung anderer Völker und Nationen implizieren zu wollen.

    Nationalismus und Chauvinismus sind doof.
    Leider tarnen sich Nationalisten oft als Patrioten.

    Zum Thema Ost und West möchte ich auch noch was sagen.

    Ich finde die Wiedervereinigung gut!
    Man hätte sicherlich einpaar Dinge besser machen können, aber alles in allem bin ich zufrieden.
    (Oder soll ich sagen: “Ich bin stolz, das Deutschland wieder vereint ist.”?)

    Das Geld sollte dorthin fließen, wo es am meisten gebraucht wird.
    Das war nach der Wende und ist im Moment der “Osten”. Und das ist auch gut so.

    Ich finde nur die Unterteilung in Ossis und Wessis blöd.
    Es ist doch egal, woher man kommt, oder?
    Meine Lieblingsstadt in Deutschland, neben Saarbrücken, ist Dresden.
    Meine Liebe zu Saarbrücken ist rein emotionaler Natur, ich bin dort geboren.
    Wobei meine Liebe zu Dresden auch emotionaler Natur ist. 😉

    Die Menschen die ich im “Osten” kennen gelernt habe unterscheiden sich nicht von denen im “Westen”.
    Die gleiche Freundlichkeit und Offenheit.

    Ich habe vor etwas mehr als einem Monat meine Freundin geheiratet.
    Sie kommt übrigens auch aus den neuen Bundesländern. 🙂
    Und so wächst der Westen und der Osten wieder ein Stück zusammen.

  5. Oliver says:

    Was hast du gegen die Flaggen?

    Siehe oben. Sie verkörpern den Nationalstaat. Ein Gebilde, mit dem ich mich überhaupt nicht identifizieren kann und will, weil es seit der Gründung der ersten richtigen Nationalstaaten nur zu Zank und Zwist und letztendlich zu Kriegen geführt hat.
    Daher auch immer der Beigeschmack, daß es sich um Nationalismus handelt. Denn im Endeffekt, könnten auch UNO- oder EU-Fahnen geschwenkt werden. Obwohl man in letzter Zeit wohl auf beide Institutionen nicht sehr stolz sein kann …

    Oder stört dich der Nationalstolz?

    Exakt.

    Ich bin stolz ein Deutscher zu sein!

    Schön für dich; ich könnte das so nicht sagen.

    Ich bin stolz ein Deutscher zu sein.
    Das bedeutet, ich bin zufrieden mit dem was Deutschland (wir Deutschen) erreicht haben bzw. aus uns gemacht haben.
    Ich bin zwar nicht auf alles in Deutschland stolz, aber im großen Ganzem schon.
    Die Dinge, auf die ich nicht stolz bin, könne wir ja angehen und ändern (z.B. Arbeitslosigkeit)

    Gut, im Großen und Ganzen also? Was würdest du nun aber sagen, wenn sich der Blickwinkel dadurch ändert, daß in deiner Region ~30% Arbeitslosigkeit herrscht. Daß deine Teenagerzeit zu großen Teilen von der Arbeitslosigkeit des einen Elternteils und zum anderen Teil von der Auswärtsarbeit des gleichen Elternteils geprägt worden wäre? Wäre dann Arbeitslosigkeit nicht u.U. etwas, was zum Großen und Ganzen dazugehört und es eben nicht so blumig dastehen läßt? Wenn du immer wieder – insbesondere in den Medien – ganz tolle Kommentare zu Ossis hörst (insbesondere sächseln alle Ossis, ja klar!), wenn immer wieder einer deine Geschichte vor der sog. Wiedervereinigung verneint. Würde das den Blick verändern? Oder daß wir in einem “demokratischen” Land leben, in dem das Volk aber maximal alle vier Jahre gefragt wird und sogar bei solchen Entscheidungen wie einer anstehenden Wiedervereinigung ausgespart wird? Würde das die Sichtweise beeinflussen? Bei mir tat all das (und noch mehr) seine Wirkung. Man kann als Nicht-Schriftsteller seine Emotionen nur schlecht ausdrücken und ich schaffe es immer nur stückchenweise, aber hoffe, daß das zum Verständnis beiträgt.

    Ich bin stolz das die Deutschen auf der Vergangenheit gelernt haben.

    Haben sie das wirklich? Warum müssen dann Generationen nach den Verbrechern noch das Bußgewand antun? Kann es sein, daß ich diese Idee hasse, weil ich Atheist bin und auch von der christlichen Idee der Erbsünde nichts halte? Es ist doch so, daß die Verbrecher von damals meist schon tot sind und daß die, die es nicht sind das Bußgewand auch nicht anlegen. Stattdessen sollen das bitte Söhne und Töchter, Enkel und Enkelinnen tun.
    Ich weiß nicht, ob es mein Besuch in Yad’Vashem war, der mich zu solchen Sichtweisen veranlasst, aber ich weiß, daß Yad’Vashem vermutlich die Sichtweise vieler Besucher ändert.

    Ich freue mich das man seine Liebe zu Deutschland auch zeigen darf. (z.B. mit Flaggen)

    Nunja, ich liebe mein Land nicht abgöttisch, weil es eben nur ein Land ist. Aber immerhin haben wir große Musiker, Dichter und Schriftsteller hervorgebracht und andere Künstler auch. So gesehen kann man den Genuß eben dieser Künste auch als einen Anerkennung der Leistungen der Vorväter (und -mütter ;)) sehen.

    Ich bin Stolz darauf, dass man in Deutschland seine Meinung sagen darf.

    Sagen ja, es hört nur niemand hin.

    Und ich bin stolz auf mich, dass ich auch andere Meinungen akzeptieren kann.
    (Wenn ich die Anderen auch nicht immer verstehe.)

    Das ist immer eine gute Eigenschaft, aber was hat die mit Flaggen zu tun?

    Ich bin stolz darauf stolz sein zu dürfen.

    :mrgreen:

    Nennen wir das mal Patriotismus.

    Patriotismus (nach der folgenden Definition) ist doch OK, oder?

    Die Definition ist okay, ja. Aber auf dich selbst stolz zu sein, ohne eitel zu werden, auf andere Dinge die du erschaffen hast stolz zu sein, ist das nichts? Vor dem Ersten Weltkrieg waren die Grenzen der Nationalstaaten noch nichtmal so ausgeprägt. Vor Bismarck wärst du vielleicht stolz gewesen Schwabe zu sein, oder Bayer, oder Preuße. Aber was ist dein Verdienst dabei? Okay, deine Eltern haben dich in ein bestimmtes Land gesetzt und nun bist du Bürger dieses Landes, aber wo ist deine Leistung dabei? Ich sehe keine. Also gibt es für mich auch keinen Grund stolz darauf zu sein.

    Nationalismus und Chauvinismus sind doof.
    Leider tarnen sich Nationalisten oft als Patrioten.

    Klar, Patriotismus ist eben salonfähig …

    Ich finde die Wiedervereinigung gut!
    Man hätte sicherlich einpaar Dinge besser machen können, aber alles in allem bin ich zufrieden.
    (Oder soll ich sagen: “Ich bin stolz, das Deutschland wieder vereint ist.”?)

    Ich finde die “Wiedervereinigung” nicht gut, weil eine Vereinigung ein beidseitiger freiwilliger Akt ist. An den Sentimentalitäten (Frust in Ost, Ärger über Ossis in West) beiderseits der ehemaligen Grenze kann man erkennen, daß dies nie der Fall war. Das “deutsche Volk” (und zwar insgesamt!) wurde nie danach gefragt, ob es eine Wiedervereinigung möchte. Das ist keine Demokratie. Und darf ich nochmals dran erinnern, daß die BRD in ihrem Grundgesetz verankert hatte, daß sich das deutsche Volk im Falle einer Wiedervereinigung eine Verfassung in freier Selbstbestimmung geben könne? mehr als sechzehn Jahre und es ist immer noch das gleiche Grundgesetz! Eine solche Verfassung hätte die Chance geboten, daß sich beide Seiten einbringen. Stattdessen kam “der Deckel” (das Grundgesetz) drauf und gut war.

    Das Geld sollte dorthin fließen, wo es am meisten gebraucht wird.
    Das war nach der Wende und ist im Moment der “Osten”. Und das ist auch gut so.

    Ja und nein, weil ft nämlich recht hat, wenn er sagt, daß es verschwendet wird. Und zwar vielfach an Stellen, die wir nicht zu sehen bekommen. Ich werde mich bemühen diese Woche mal ein paar Fotos von Straßen und Nebenstraßen zu machen. Auf Fotos bekommt man zwar noch immer nicht den Eindruck, den man vom Einsinken des Autos im lockeren Sand bekommt, aber vielleicht wenigstens das Bild …

    Ich finde nur die Unterteilung in Ossis und Wessis blöd.

    Ich auch, aber die Unterschiede sind leider nicht zu verleugnen. Niemand kommt daher und zweifelt deine Geschichte vor 1990 an, oder?

    Es ist doch egal, woher man kommt, oder?

    Laut deinen obigen Aussagen nicht, denn auf dein Land bist du stolz, also scheint das doch wichtig zu sein?!

    Die Menschen die ich im “Osten” kennen gelernt habe unterscheiden sich nicht von denen im “Westen”.

    Oh, es ist nicht so, daß ich keine “Wessis” kennen würde, die nicht freundlich und nett wären … und weltoffen und so weiter. Oft lassen sich sogar durch ein Gespräch Vorurteile wie jenes, daß Soli nur im Westen gezahlt würde, ausräumen. Alles keine Frage. Aber was davon bleibt sichtbar im Gesamtkontext? Da wo ich mir “lustige” (beleidigende?) Ossi-Witze anhören darf, die zur Krönung gesächselt werden?! Ist nciht so, daß ich über mich selber nicht lachen könnte, aber allein die Verallgemeinerung, daß alle Ossis sächseln zeigt nicht nur Unwissen sondern auch eine gehörige Portion Ignoranz. Das wäre so, wie wenn ich behauptete alle “Wessis” sprächen platt oder bayerisch oder kölsch. Einfach lächerlich, da würde wohl jeder zustimmen.

    Ich habe vor etwas mehr als einem Monat meine Freundin geheiratet.
    Sie kommt übrigens auch aus den neuen Bundesländern.
    Und so wächst der Westen und der Osten wieder ein Stück zusammen.

    Herzlichen Glückwunsch zu eurer “kleinen deutschen Wiedervereinigung” und alles Gute auf dem gemeinsamen Lebensweg von mir. Ich finde das schön – und ja, so wächst Deutschland zusammen. Aber an dieser Formulierung deinerseits sieht man eigentlich schon, daß die “Vereinigung” noch lange nicht vollbracht ist. Wenn die letzten Menschen, die ihre Geschichte dank der Ignoranz – mag es auch nur einzelner aber prominenter Menschen – “verloren” haben tot sind, dann dürfte Deutschland endlich zusammengewachsen sein … in 50, 60, 70 Jahren ungefähr.

    Ich hoffe aber, daß solche kontroversen Diskussionen wie hier auch zum gegenseitigen Verständnis beitragen, denn davon brauchen wir – wie gesagt – noch eine Menge auf dem Weg zu einer “Wiedervereinigung”.

  6. Oliver says:

    Korrektur: es sollte heißen …

    Sagen ja, es hört nur niemand hin, der etwas ändern könnte.

    Weiß übrigens jemand, wie man bei WordPress einstellen kann, daß die Kommentare bestimmter Mitglieder nicht mehr moderiert werden müssen? Gerade bei den aktuell angemeldeten Leuten weiß ich, daß ich denen vertrauen kann, also würde ich das gerne freischalten und ihr würdet sofort euren Kommentar sehen …

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