Quimper

Am Mittwoch waren wir in Quimper (bretonisch Kemper), einer mittelalterlich geprägten Stadt in der Bretagne. Zuerst der Horror. Einen Parkplatz zu finden war eine echte Herausforderung. Wir sind zuerst in ein Parkhaus gefahren in dem der Ingenieur wohl vergessen hatte den Wendekreis der Fahrzeuge einzuberechnen. Nachdem wir es auf die zweite Etage geschafft hatten, gaben wir auf.

Als nächstes probierten wir zwei weitere Parkplätze … ohne Glück. Danach fuhren wir zu Le Steir, einem großen Parkplatz am Fluß Steir und in der Nähe eines Kinos. Als wir ankamen mußten wir noch ein Ticket ziehen, aber da wir nach 19:30 abfuhren, brauchten wir nichts zu bezahlen, da der Parkplatz nur zwischen frühmorgens vor acht und 19:30 gebührenpflichtig ist. Also, kleiner Tip für andere Touristen welche es uns nachmachen wollen.

Wir flanierten dann durch die Stadt und schauten uns das Museum zur bretonischen Geschichte direkt neben der Kathedrale an. Danach schauten wir uns in einem Laden nochmal die Faïencen an, welche für Quimper so typisch sein sollen, welche uns aber nicht sonderlich gefielen. Anschließend drehten wir eine Runde durch die Kathedrale. An mehreren Stellen in der Stadt war keltisch, bzw. mittelalterlich, angehauchte Musik zu hören. Immer ein Dudelsack begleitet von einem Blasinstrument. Es erinnerte mich an In Extremo, Kurtzweyl, Poeta Magica und so weiter.

Zum Abschluß ging es zu einem Restaurant welches im Reiseführer empfohlen worden war und welches dort aber noch unter anderem Namen eingetragen war: Ty Mad. Als jemand der auch schon die französische Sterneküche im Rahmen eines Firmenessens erleiden mußte, ging es für mich mit zwiegespaltenen Gefühlen dorthin. Im Reiseführer war es jedoch als “verläßlich” angeführt. Die Küche sei rustikal und regional und die Portionen für den Preis angemessen.

Was uns dann erwartete wurde ohne Frage der krönende Abschluß des Besuches in Quimper. Die Bedienung war freundlich und zuvorkommend. Das Tagesmenü wurde uns in Form einer mit Kreide beschrifteten Tafel auf einen Vorsprung an der Wand gestellt1. Die Preise waren gestaffelt: 14 EUR für das Hauptgericht, 19,50 EUR für Hauptgericht mit Vorspeise und 24 EUR für Hauptgericht mit Vor- und Nachspeise.

Wir waren scheinbar auch die ersten Gäste, und das ganz ohne Reservierung. Später fiel uns auf, daß viele Gäste beim Betreten eine Reservierung erwähnten. Ein wenig bekamen wir ein schlechtes Gewissen, weil die Runde aus mutmaßlichen Eigentümern und Belegschaft sich bei unserer Ankunft in die Küche verkrümelte. Es schien so als hätten wir ein fröhliches Beisammensein gestört.

Übel nahm man es uns nicht, denn ansonsten wäre der Kellner wohl kaum so zuvorkommend und freundlich gewesen. Wir orderten einmal eine Pfanne mit Meeresfrüchten2 und eine Roulade vom Kalb nach Förster-Art3. Das Essen ließ auch nicht lange auf sich warten und war bereits ein Augenschmaus. Wir hatten kurz überlegt ein Foto vom Essen zu machen, aber entschieden uns dagegen.

Bei mir war es eine überbackenen halbe Tomate, ein Streifen Karottenmus welches mit Curry abgeschmeckt war, sowie ein paar Stücke Romanesco in grün und violett. Der Romanesco bildete mit seinen Bitternoten dann auch einen wunderbaren Kontrast zum süßen Karottenmus. Die Roulade war eine Scheibe von etwas war man im deutschen als Scheibe von einem Rollbraten bezeichnen würde. Außen knusprig und innen gefüllt mit einer Farce aus Fleisch und Pilzen. Dazu eine weiße Soße welche eine fruchtig-saure Note mitbrachte die sich hervorragend ins Gesamterlebnis einfügte.

Ein Gaumenschmaus der Extraklasse. Und das ganz ohne Froschschenkel, Schnecken und scheinbar auch ohne Käse.

Die Tomate ließ ich liegen, daß ich rohe und halbrohe Tomaten absolut nicht mag. Ansonsten war die Menge hervorragend abgestimmt.

Am Ende bestellte ich mir eine Crème brûlée welche einen gelungenen Abschluß bildete. Als Getränk gab ich mir eine Breizh Cola, also eine bretonische Cola.

Ein wirklich hervorragendes Essen zu einem wirklich angemessenen Preis und in freundlicher Atmosphäre4.

Am Donnerstag waren wir dann bei den Menhiren in Carnac, welche aber mit einem Zaun eingefriedet waren. Die einzigen frei zugänglichen Menhire waren in Menéc, einem Dorf welches mit dem abschließenden Steinkreis eines der Menhirfelder verwachsen ist.

Wir machten uns auch auf einen der einzelnen Menhire zu besuchen, die außerhalb der eingezäunten Felder auf der Karte verzeichnet waren, hatten jedoch kein Glück damit den Menhir de Krifol zu finden. Bei den Alignements de Kerzerho in Erdeven auf dem Rückweg nach Riantec hatten wir dann mehr Glück.

// Oliver

  1. bei anderen Gästen war es später auch eine Tafel auf dem Stuhl oder ähnliches []
  2. Fisch und Muscheln []
  3. also mit Pilzen []
  4. Nachdem der Kellner mitbekommen hatte, daß wir Deutsche sind, fragte er uns auch “wo’er” wir kämen, mit dem hingehauchten stummen H welches man aus allerlei französischen Worten kennt. []
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